Transkript zur Folge
Gibt es diese Band nun wirklich – oder gibt es sie nicht? Die Antwort lautet: Ja. Viel Spaß mit der ersten Folge!
„Ich hatte absolut kein Interesse daran, jemandes Muse zu sein. Ich bin nicht die Muse. Ich bin der Jemand. Punkt.“ Das sind die Worte von Daisy Jones, Frontfrau der legendären Rockband Daisy Jones And The Six, die sich Ende der 70er Jahre aus bislang ungeklärten Gründen aufgelöst hat. In diesem Roman erfahren wir endlich, warum.
Die Autorin Taylor Jenkins Reid hat diesen Roman in Form eines Interviews geschrieben, in dem Bandmitglieder und Wegbegleiter von Daisy Jones And The Six vierzig Jahre nach der Trennung über die Gründe sprechen.
Interview? Das hat mich erst mal ziemlich abgeschreckt. Trocken. Wie soll man da in den Lesefluss kommen? Und tatsächlich hat es keine zwei Seiten gedauert und ich war mittendrin im Sex and Drugs and Rock’n’Roll-gesättigten Kalifornien der 60er und 70er Jahre. Und ich habe der Autorin sofort geglaubt, dass es diese Band wirklich gibt.
Inspiriert wurde Daisy Jones And The Six von Fleetwood Mac. Deren Bandgeschichte war ja geprägt von Beziehungsdramen und Drogeneskapaden, aber vor allem von überirdisch guter Musik und großartigen Frauen.
Solche großartigen Frauen stehen auch im Zentrum des Romans, um den es hier geht. Sängerin Daisy, Keyboarderin Karen und Camila, die Ehefrau des Bandgründers Billy.
Was ich beim Lesen total bemerkenswert fand, war, wie diese Frauen miteinander umgehen. Wie sie einander unterstützen bei den Themen, die sie beschäftigen. Drogensucht, Sexismus, Mutterschaft, Vertrauensbruch. Das fand ich gerade in einem Buch über das Musikbusiness der 60er und 70er spannend. Gerade in der Zeit wurden Frauen ja oft zu Groupies oder zu Musen oder zu Konkurrentinnen degradiert, die sich immer in irgendeiner Abhängigkeit von einem Mann. Hier ist das nicht so. Daisy zum Beispiel ist es komplett egal, was Männer von ihr halten. Sie zieht an was sie will, sie benimmt sich wie sie will und schreibt die Songs, die sie schreiben will. Sehr zum Missfallen von Billy.
Was ich an diesem Buch am meisten liebe: Es geht um Musik. Songwriting, Proben, Studioproduktion und Auftritte – das wird alles nicht nur angedeutet. Wir werden so realistisch mit in den Entstehungsprozess der Musik genommen, dass ich beim Lesen immer wieder den Impuls hatte, die Band bei Wikipedia einzugeben oder die Songs beim Streamingdienst meiner Wahl zu suchen. Inzwischen gibt es die Songs, und inzwischen gibt es auch die Band Daisy Jones And The Six. Und zwar dank der gleichnamigen Miniserie, die 2023 erschienen ist. Die hat das Buch bestmöglich umgesetzt. Die beiden Hauptdarsteller haben intensiv Gesangs- und Gitarrenunterricht genommen, um die Songs alle selbst einzuspielen. Und was dabei herausgekommen ist: wirklich gute Musik. Tolle Songs, richtige Ohrwürmer. Außerdem bekommen die Nebenfiguren ein bisschen mehr Tiefe und Substanz als im Buch. Meine Empfehlung: Erst das Buch lesen, dann die Serie gucken, dann noch mal das Buch lesen.
Natürlich bedient Daisy Jones And The Six auch ein paar der gängigen Klischees. Der Drummer ist nicht besonders schlau, der zweite Gitarrist ist eifersüchtig auf den ersten und der Bassist hat gar nix zu melden. Aber die Frauen und die Musik machen dieses Buch so grandios, dass ich jedes Klischee verziehen habe.
Daisy Jones And The Six von Taylor Jenkins Reid. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Conny Lösch. Ullstein Verlag, 2020.
Für Fans von ...
... Fleetwood Mac, weil die internen Beziehungsdramen im Buch von dieser Band inspiriert sind.
... Patti Smith, weil ihr Song
Dancing Barefoot zum Vorspann der Serie gehört.
... Florence + The Machine, weil Frontfrau Florence Welsh eine ähnlich eindrucksvolle Präsenz hat wie Daisy Jones.
Worum geht es im Podcast Bücher mit Musik?
In jeder Folge stelle ich dir einen Buchtipp vor, in dem Musik den Ton angibt. Du bekommst Leseempfehlungen aus Belletristik und Sachliteratur. Das sind zum Beispiel Coming-Of-Age-Romane, Thriller, Kinderbücher, Jugendbücher, Historische Romane, Autobiografien, neue Literatur, Romance, deutsche und internationale Klassiker – und wer weiß, vielleicht kommen im Verlauf der Folgen ja noch Fantasy oder Science Fiction als Buchtipp mit Musik auf meine Leseliste.
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