Daisy Jones And The Six: Frontsau statt Muse

Taylor Jenkins Reids Interviewroman über Aufstieg und Fall einer fiktiven Rockband. Jetzt im Podcast Bücher mit Musik!

Das Buch Cover von Daisy Jones And The Six von Taylor Jenkins Reid

Dauer: 3:51 Minuten

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Die Autorin Wiebke Wimmer gibt einen Buchtipp und hält den Roman Daisy Jones And The Six in die Kamera.

Willkommen im Podcast Bücher mit Musik! Ich bin Wiebke Wimmer - Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Musikfan. In meinem Podcast stelle ich dir jede Woche ein Buch vor, in dem Musik den Ton angibt. 


Daisy Jones And The Six ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es um eine Band geht, die es gar nicht gibt. Es fasziniert mich, wie die Autorin Taylor Jenkins Reid sich die musikalischen, miteinander verwobenen Biografien der Bandmitglieder ausgedacht hat - und zwar so glaubhaft, dass ich mehrmals bei Wikipedia nachgeschaut habe, ob Daisy Jones And The Six nicht vielleicht doch real existieren.


Wenn du auch solche Bücher magst, dann lies doch mal in meine Musikromane KILL YOUR BEAST und ROCK YOUR BEAST rein. Auch da kommen fiktive Bands und die dazugehörigen Dramen vor, zum Beispiel das Rocktrio Zilla mit der legendären, tragisch verstorbenen Britta Hannak am Schlagzeug.

Transkript zur Folge


Gibt es diese Band nun wirklich – oder gibt es sie nicht? Die Antwort lautet: Ja. Viel Spaß mit der ersten Folge!


„Ich hatte absolut kein Interesse daran, jemandes Muse zu sein. Ich bin nicht die Muse. Ich bin der Jemand. Punkt.“ Das sind die Worte von Daisy Jones, Frontfrau der legendären Rockband Daisy Jones And The Six, die sich Ende der 70er Jahre aus bislang ungeklärten Gründen aufgelöst hat. In diesem Roman erfahren wir endlich, warum.


Die Autorin Taylor Jenkins Reid hat diesen Roman in Form eines Interviews geschrieben, in dem Bandmitglieder und Wegbegleiter von Daisy Jones And The Six vierzig Jahre nach der Trennung über die Gründe sprechen.


Interview? Das hat mich erst mal ziemlich abgeschreckt. Trocken. Wie soll man da in den Lesefluss kommen? Und tatsächlich hat es keine zwei Seiten gedauert und ich war mittendrin im Sex and Drugs and Rock’n’Roll-gesättigten Kalifornien der 60er und 70er Jahre. Und ich habe der Autorin sofort geglaubt, dass es diese Band wirklich gibt.


Inspiriert wurde Daisy Jones And The Six von Fleetwood Mac. Deren Bandgeschichte war ja geprägt von Beziehungsdramen und Drogeneskapaden, aber vor allem von überirdisch guter Musik und großartigen Frauen.


Solche großartigen Frauen stehen auch im Zentrum des Romans, um den es hier geht. Sängerin Daisy, Keyboarderin Karen und Camila, die Ehefrau des Bandgründers Billy.


Was ich beim Lesen total bemerkenswert fand, war, wie diese Frauen miteinander umgehen. Wie sie einander unterstützen bei den Themen, die sie beschäftigen. Drogensucht, Sexismus, Mutterschaft, Vertrauensbruch. Das fand ich gerade in einem Buch über das Musikbusiness der 60er und 70er spannend. Gerade in der Zeit wurden Frauen ja oft zu Groupies oder zu Musen oder zu Konkurrentinnen degradiert, die sich immer in irgendeiner Abhängigkeit von einem Mann. Hier ist das nicht so. Daisy zum Beispiel ist es komplett egal, was Männer von ihr halten. Sie zieht an was sie will, sie benimmt sich wie sie will und schreibt die Songs, die sie schreiben will. Sehr zum Missfallen von Billy.


Was ich an diesem Buch am meisten liebe: Es geht um Musik. Songwriting, Proben, Studioproduktion und Auftritte – das wird alles nicht nur angedeutet. Wir werden so realistisch mit in den Entstehungsprozess der Musik genommen, dass ich beim Lesen immer wieder den Impuls hatte, die Band bei Wikipedia einzugeben oder die Songs beim Streamingdienst meiner Wahl zu suchen. Inzwischen gibt es die Songs, und inzwischen gibt es auch die Band Daisy Jones And The Six. Und zwar dank der gleichnamigen Miniserie, die 2023 erschienen ist. Die hat das Buch bestmöglich umgesetzt. Die beiden Hauptdarsteller haben intensiv Gesangs- und Gitarrenunterricht genommen, um die Songs alle selbst einzuspielen. Und was dabei herausgekommen ist: wirklich gute Musik. Tolle Songs, richtige Ohrwürmer. Außerdem bekommen die Nebenfiguren ein bisschen mehr Tiefe und Substanz als im Buch. Meine Empfehlung: Erst das Buch lesen, dann die Serie gucken, dann noch mal das Buch lesen.

Natürlich bedient Daisy Jones And The Six auch ein paar der gängigen Klischees. Der Drummer ist nicht besonders schlau, der zweite Gitarrist ist eifersüchtig auf den ersten und der Bassist hat gar nix zu melden. Aber die Frauen und die Musik machen dieses Buch so grandios, dass ich jedes Klischee verziehen habe.


Daisy Jones And The Six von Taylor Jenkins Reid. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Conny Lösch. Ullstein Verlag, 2020.

Für Fans von ...


... Fleetwood Mac, weil die internen Beziehungsdramen im Buch von dieser Band inspiriert sind.

... Patti Smith, weil ihr Song Dancing Barefoot zum Vorspann der Serie gehört.

... Florence + The Machine, weil Frontfrau Florence Welsh eine ähnlich eindrucksvolle Präsenz hat wie Daisy Jones.

Wenn du Daisy Jones And The Six magst, gefallen dir diese beiden Podcastfolgen:


Utopia Avenue von David Mitchell. Noch eine fiktive Band und wieder die 1960er.

Kill Your Beast von Wiebke Wimmer. Eine Band, die es nicht gibt und eine legendäre Frontfrau - am Schlagzeug.


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