Utopia Avenue: Die Band, die es nie gab

David Mitchells Epos über eine Psychedelic-Rock-Band in den Swinging Sixties. Jetzt im Podcast Bücher mit Musik!

Das Buch Cover von Utopia Avenue von David Mitchell

Dauer: 3:17 Minuten


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Transkript zur Folge


Die Swinging Sixties, eine fiktive Band und eine Begegnung mit dem echten John Lennon. Viel Spaß mit der neuen Folge!


Die Autorin Wiebke Wimmer gibt einen Buchtipp und hält den Roman Utopia Avenue die Kamera.

Willkommen im Podcast Bücher mit Musik! Ich bin Wiebke Wimmer - Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Musikfan. In meinem Podcast stelle ich dir jede Woche ein Buch vor, in dem Musik den Ton angibt. 


Vor Utopia Avenue habe ich mich erst ein bisschen gedrückt, denn ich lese nicht so gern Bücher, die dicker sind als 600 Seiten. Aber als ich es im Urlaub auf einem Musikcampingplatz in Dänemark aufschlug, vergaß ich schnell alles um mich herum. David Mitchell hat mich in die Welt dieser fiktiven Band gezogen. Wenn ich Zugang zu einer Zeitmaschine hätte, würde ich mich in die späten 1960er Jahre schießen lassen, nur wegen der Musik.


Wenn du auch solche Bücher magst, dann lies doch mal in meine Musikromane KILL YOUR BEAST und ROCK YOUR BEAST rein. Auch da kommen fiktive Rockbands und die dazugehörigen Musikgrößen vor, zum Beispiel das Rocktrio Zilla mit der legendären Britta Hannak am Schlagzeug.


David Mitchells Roman Utopia Avenue ist die Geschichte der gleichnamigen Psychedelic-Rock-Band aus den späten sechziger Jahren. Utopia Avenue würden wir alle ohne zu Zögern im selben Atemzug mit den Beatles und den Rolling Stones nennen. Wenn es diese Band denn wirklich gegeben hätte. Das vom Autor David Mitchell ausgedachte Quartett besteht aus Elf, Dean, Jasper und Griff. Die vier werden von England aus berühmt und erobert mit ihrer Musik und ihren beiden Alben die Welt. Vor allem die USA, wo 1968 die Hippiebewegung in Gewalt und kapitalistische Gier umschlägt.


David Mitchell ist ja bekannt für seine dicken und überbordenden Romane. Und ganz ehrlich, selbst als Musikfan kam ich schwer rein in das 748 Seiten starke Werk. Ausgeschmückte Details, ausschweifende Ortsbeschreibungen, Zeitsprünge, wechselnde Perspektiven und gewagte Sprachbilder drängen sich so dicht aneinander wie die Gäste in einem angesagten Londoner Club der Swinging Sixties.


"Es gibt keine reinere Droge als Applaus."


Doch als ich irgendwann drin war, habe ich jede einzelne Seite genossen. Denn David Mitchell schafft in diesem Buch einzigartige Charaktere voller persönlicher Tragödien, die eins verbindet und rettet: Die Liebe zur Musik. Mitchell hat meine Sex-Drugs-and-Rock’n’Roll-Erwartungen an ein Buch über Musik in den Sechzigern voll bedient - aber ganz anders als gedacht: Denn Utopia Avenue hat doch tatsächlich einen sympathischen, korrekten Bandmanager! Die Frauen haben die besten Dialogzeilen! Der Schlagzeuger ist keine impulsive Knalltüte! (Der Bassist irgendwie schon.) Und endlich kommt ein Buch über die Sixties ohne seitenweise Beschreibungen von LSD-Trips aus. Es macht bestimmt Spaß, die zu schreiben, aber es macht mir überhaupt keinen Spaß, die zu lesen, also DANKE, David Mitchell, fürs Weglassen!


Stattdessen blicken wir Utopia Avenue beim Prozess des Songwriting über die Schulter. Außerdem begegnet die Band realen Berühmtheiten wie David Bowie, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Leonard Cohen und an einem sehr ungewöhnlichen Ort John Lennon.


In der zeitlichen Abfolge dieser Begegnungen gibt es möglicherweise ein paar Fehler. Aber wie schreibt Mitchell himself in seinem Nachwort? „Musikliebhaber werden auf textliche Anachronismen stoßen, mir aber hoffentlich darin zustimmen, dass Musik zeitlos ist.“


Ja. Es lohnt sich, dranzubleiben.


Utopia Avenue von David Mitchell. Übersetzt von Volker Oldenburg. 752 Seiten. Rowohlt Verlag, 2022.

Für Fans von ...


... David Bowie, weil er einen Gastauftritt in Utopia Avenue hat.

... Joni Mitchell, weil Bandmitglied Elf ihr ähnlich ist.

... John Lennon, weil er an einem wirklich ungewöhnlichen Ort auftaucht.

Wenn du Utopia Avenue magst, gefallen dir diese beiden Podcastfolgen:


Daisy Jones And The Six von Taylor Jenkins Reid. Noch eine fiktive Band und wieder die 1960er.

Kill Your Beast von Wiebke Wimmer. Eine Band, die es nicht gibt und eine legendäre Frontfrau - am Schlagzeug.


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